Die Regeln der Freiheit - und der Grenzen

Nichts steht in einem scheinbar größeren Konflikt zueinander, dabei sind sie unabdingbar miteinander verbunden. Doch lies einfach selber …

Der Schrei nach Freiheit und Selbstbestimmung ist laut...

...in einer Zeit scheinbar erdrückender Grenzen und Zwänge. Nicht nur im öffentlichen Rahmen bestimmen sie unser Leben sondern verfolgen uns in das Privatleben und schlussendlich bis in unser Innerstes. Ob Grenzen persönlich oder gesellschaftlich gesetzt wurden, ist manchmal nur schwer zu erkennen. Eines erscheint uns völlig klar:

Grenzen engen uns ein.

Doch betrachtet man sich das Phänomen Grenzen losgelöst ihrer induzierten negativen Behaftung, so stellt sich die Frage, ob sie nicht sogar unsere Freiheit garantieren?!

Schauen wir das Wort „Grenzen“ an, so wird uns schnell klar, dass sie in keinster Weise offenkundig im Zusammenhang zu Einschränkungen, Benachteiligungen oder gar Freiheitseinschränkungen stehen.

Grenzen „grenzen“ etwas ab –

sie geben einen Rahmen, sie bringen Ordnung und schaffen gar für vieles die Voraussetzung, dass etwas in dieser Welt überhaupt so sein kann wie es ist.

Ein Fluss zum Beispiel, er wird erst durch die Grenzen seines Ufers zu dem was er ist. Und bei grenzenloser Ausuferung hat sich sicher schon jeder ein Bild davon machen können, welches Ausmaß eine solche Grenzüberschreitung auch für Mensch und Natur bedeuten kann.

Im Laufe meiner Arbeit, in Anbetracht der vielseitigen Herausforderungen, mit denen die Menschen zu uns kommen und auch der gesellschaftlichen Entwicklung habe ich an einigen Stellen unseres heutigen Lebens einige offene Fragen.

Wie weit darf und sollte unsere Freiheit heute gehen?

Wie wichtig sind Grenzen und wann bedeuten sie vielleicht sogar Freiheit?

Allgemein können wir wohl festhalten, dass es heutzutage an vielen Stellen keine Grenzen mehr zu geben scheint. Unser unaufhörliches Konsum- und Wachstumsstreben kennt schon lange kaum mehr Grenzen, das Eingreifen in unseren Lebensraum, die uns umgebende Natur nimmt mittlerweile wohl schon gefährliche Ausmaße an. Grenzenlose Wirtschaft, grenzenlos verfügbare Konsumgüter, grenzenlose Freizeitaktivitäten und Urlaubserlebnisse. Wisst ihr was ich glaube? Wir sorgen für immer mehr Grenzenlosigkeit in unserer (Um)Welt, weil wir uns selbst immer mehr einschränken. Und vielen ist das nicht mal bewusst.

Wir wollen alle immer die Gewinner sein

...und merken nicht, dass das zwangsläufig zu Verlierern auf der anderen Seite führen muss. Bedeutet die eigene Grenzenlosigkeit dann eine Beschneidung der Freiheit des anderen? Und ist das nicht wiederum eine sehr begrenzte Sicht?

Was wäre, wenn...

...wir uns doch der Freiheit eines jeden und somit auch der des anderen bewusst würden und diese anerkennen? Was wäre, wenn wir uns selbst und unser Handeln in der Form abgrenzen, diese nicht zu überschreiten? Wenn wir stattdessen in der Lage wären, uns den Bedürfnissen des anderen zu widmen, sie zu entdecken und somit einen wirklichen Bezug auf unser Gegenüber möglich machten? Ist dann nicht erst wirkliche Beziehung möglich? Schaffen wir es dann am Ende zu einer Win-Win-Situation?

Ich halte das für eine tragfähige und realistische Vorstellung. Nur dafür braucht es ein klares Bild von Freiheit und Grenzen. Denn wie du vielleicht schon erkannt hast, es kann das eine nicht ohne das andere geben. Meine Freiheit bedeutet eine Grenze für den anderen und anders herum.

Persönliche Freiheit wird nur durch eine Grenze möglich - zum anderen.

Das ist mein eigener Rahmen, in dem ich mich bewegen möchte. Diesen zu respektieren bedeutet für den anderen, diese Grenze zu wahren. Gleichzeitig respektiere ich seinen Rahmen. Die gemeinsame Erfüllung der Freiheit wird nur durch ein gegenseitiges Abgrenzen möglich. Für den einzelnen eine konkrete Aufgabe, denn viele sind zu dieser Form der Grenzsetzung nicht mehr fähig. Daher die ausufernde Grenzen- bzw. Maßlosigkeit. Das wäre doch eine schöne Lernaufgabe für jeden von uns, und vor allem ein wichtiger Schritt für eine ganze Gesellschaft.

Würden wir wieder beginnen, gegenseitige Grenzen zu achten und zu respektieren, und somit Freiheit für jeden möglich machen, müssten wir in der Außenwelt nicht mehr alles sicher definieren und auf einen Punkt fixiert erklären und regeln. Wozu uns das in unserer Gesetzgebung in Deutschland geführt hat brauch ich nicht erklären. Fakt ist, das es in Deutschland mehr Regeln und Regeln für Ausnahmen gibt, als in irgendeinem anderem Land auf der Welt. Trotzdem macht es das Leben scheinbar weder sicherer noch klarer. Geschweige dessen das es zu mehr Freiheit führt.

 

Wo liegt nun, um noch einmal zum Ausgang zurückzukehren, das eigentliche Problem an „Grenzen“?

Sie werden oft unabhängig von den eigentlich im Vordergrund stehenden Bedürfnisse und Ziele gesetzt. In der guten Absicht hilfreiche Rahmen zu setzen, sind sie in vielen Bereichen und Situationen eine Maßnahme geworden zu kontrollieren oder ungeplanten Gegebenheiten entgegenzuwirken. Sie sind vielerorts ein Mittel zum Zweck geworden, statt der ursprünglichen Möglichkeit zielgerichteter Entfaltung.

Persönliche Freiheit ist das höchste Gut und das ist absolut vertretbar.

Doch wie wir sehen, kann diese nur gesichert werden, indem es Grenzen gibt, die uns eben diesen Rahmen schaffen frei zu sein. Im Kleinen wie im Großen.

Sorry, kürzer ging es nicht ;-)