Es ist erstaunlich, wer heutzutage alles keine Zeit mehr hat

"Keine Zeit" ist in aller Munde - Was hat es mit der Zeit nur auf sich, dass sie so rar geworden ist? Eine traurige Wahrheit…

Neulich hat mir eine Mutter von ihrer 8(!)-Jährigen Tochter erzählt, die so viele Verpflichtungen hat, dass sie nicht weiß wann sie das alles erledigen soll. Ich habe Jugendliche im Coaching, die von der Schule und den Anforderungen, die man an sie stellt so gestresst sind, dass sie keine Zeit haben, sich wirklich mal mit dem zu beschäftigen, was sie eigentlich wollen. Wir erleben Gespräche mit Angestellten, die keine (Frei-)Zeit haben, weil sie längst mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten (müssen). Und wir begleiten Führungskräfte, die keine Zeit für ein erfülltes Privatleben haben oder längst mit dem Unternehmen "verheiratet sind". Und ich ertappe mich selbst manchmal Dinge rauszuschieben oder abzusagen, weil ich irgendwie "keine Zeit" habe.

Zeit ist ja bekanntlich relativ.

Aber was immer mehr auffällt, und da wird jeder zustimmen, sie scheint nur so zu rasen. Manchmal sogar gefühlt an uns vorbei. Woran liegt das? Ist unser Leben schneller geworden? Sind es zu viele Dinge, die wir versuchen in die nach wie vor gleiche Stundenanzahl pro Woche zu quetschen? Ist es heutzutage sogar schon eine Art "Status-Symbol" geworden, keine Zeit mehr zu haben? Heißt das, man ist besonders wichtig? 

Keine Zeit kommt vor "wenig" Lebensqualität

Ich habe in meinen Gesprächen oft den Eindruck "keine Zeit" kommt direkt vor "wenig Lebensqualität". Und das ist ja das Problem. Es geht den Menschen mit "keiner Zeit" nicht gut. Die Frage ist, wofür verwenden wir die Zeit, die wir haben, dass am Ende keine mehr übrig ist?

Wo setzen wir die Prioritäten?

Sagen wir berufliche Termine ab, weil wir Zeit mit unserem Partner verbringen wollen? Lassen wir ein Meeting sausen, weil wir lieber eine Runde im Park spazieren? Sagen wir eine Verkaufspräsentation ab, weil wir Lust auf einen Ausflug ins Blaue haben? Nein - es ist immer umgekehrt.

"Ich wünschte, ich hätte mehr gearbeitet..."

Das interessante daran ist, ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand am Ende seines Lebens (also am Ende seiner Zeit) sagt "Ich wünschte, ich hätte mehr gearbeitet. Ich wünschte, ich hätte mir mehr Zeit für Kundengespräche, Meetings und Verkaufsaktionen genommen. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit meines Lebens im Büro verbracht." Das sagt doch kein Mensch!

Und trotzdem leben wir genauso. Getreu dem Motto "Jetzt nicht. Später." Es ist schon traurig, dass sich scheinbar nur wenig Menschen Zeit für sich selbst nehmen. Für ihren eigenen Weg, ihre eigene Entwicklung, ihre Selbst-Verwirklichung.

Wir investieren zum Beispiel viel Zeit in Arbeit. Um Geld zu verdienen, dass wir am Ende (und sind wir mal ehrlich) größtenteils für "Luxus" ausgeben. Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig man wirklich benötigt, um gut zu leben. Glaubt mir, ich hab's ausprobiert. Das eigene Leben zu entschleunigen, Dinge loszulassen, die kein Mensch braucht und einfach mal im Hier und Jetzt sein - das eröffnet ganz andere Horizonte. Dann werden ganz andere Dinge wichtig. Und dann hat man auf einmal Zeit. Für sich selbst, für die Menschen die einem wichtig sind und für die Dinge, die man gern tut. Auch für die Arbeit. Ich investiere auch viel Zeit in meinen Job - weil ich ihn von Herzen gern mache. Und diese Erfahrung wünsche ich jedem da draußen.

Ich möchte euch noch eine schöne Metapher mitgeben, die ich von einem guten Freund gelernt habe.

Stell dir vor, deine Bank würde dir jeden Tag auf's Neue 86.400 EUR überweisen. Bis 00:00 Uhr musst du alles ausgegeben haben, denn danach verfällt es. Am nächsten Tag bekommst du wieder 86.400 EUR usw. Sparen kannst du aber nicht. Es verfällt ja um Mitternacht. Und du weißt nicht, wann die Zahlungen aufhören. Nun, wofür gibst du es aus? Was tust du damit? 

  • Häuser kaufen?
  • Autos?
  • Spenden?
  • Shoppen?....

Wenn ich meinen Kunden diese Frage stelle, denken alle ganz intensiv darüber nach, was sie jeden Tag mit so viel Geld machen würden. Sie haben viele Ideen und es ist ja auch logisch - wer würde sich keine Gedanken machen wenn er jeden Tag einfach so 86.400 EUR erhalten würde, was er damit tut?!

Und dann sage ich: "Pass auf, du bekommst jeden Tag 86.400 Sekunden geschenkt. Einfach so."

"Und, was tust du damit?"

Und dann schauen sie mich an…